März 2012
BMBF-Forschungsnetzwerk "MND-NET" in Deutschland
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wird einen Forschungsverbund von Kliniken und wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland unterstützen. In einem Zeitraum von 3 Jahren werden etwa 1,5 Millionen Euro für Verbundprojekte bereitgestellt. Der Verbund wird von Prof. Albert Ludolph am Universitätsklinikum Ulm geleitet und koordiniert. In der dortigen Klinik liegt auch der Förderschwerpunkt der Projekte.
Neben unserer ALS-Ambulanz an der Charité werden nahezu alle medizinischen und wissenschaftlichen Einrichtungen eingebunden, die sich mit den Themen der ALS-Grundlagenforschung und klinischen Studien in der ALS-Indikation auseinandersetzen.
Am 13. und 14. Februar 2012 fand auf der Reisensburg bei Günzburg ein Auftakttreffen der beteiligten Wissenschaftler und Ärzte statt. Das Verbundprojekt wird im April 2012 beginnen. Grundlagenwissenschaftliche Forschungsschwerpunkte sind genetische Untersuchungen (Peter Andersen, Ulm), Studien an Maus-Modellen der ALS (Michael Sendtner, Würzburg; Albrecht Clemens, Mainz) sowie Zellkulturforschung an humanen Stammzellen (Stefan Liebau, Ulm und Andreas Hermann, Dresden). Studien mit modernen bildgebenden Verfahren der Kernspintomographie werden an unterschiedliche Zentren realisiert (Jan Kassubeck, Ulm; Johannes Prudlo, Rostock; Julian Großkreuz, Jena; Susanne Petri, Hannover). Elektrophysiologische Untersuchungen werden maßgeblich von Reinhardt Dengler, Hannover, initiiert. Ein eigener Themenschwerpunkt ist der Ernährung im Krankheitsmechanismus der ALS gewidmet (Thomas Meyer, Berlin; Johannes Dorst und Luc Dupuis, Ulm).
Ein wesentlicher Schwerpunkt wird die Vorbereitung und Durchführung klinischerStudien sein, an der alle Netzwerkpartner sich beteiligen werden. Kennzeichen des Netzwerkes mit dem Namen „MND-NET“ ist die Verknüpfung von Grundlagenforschung (Mausstudien, Stammzellforschung und verschiedene grundlagenwissenschaftliche Teilprojekte), der neurobiologischen Systemforschung (Kernspintomographie und Elektrophysiologie) sowie der klinischen Forschung (fortgeschrittene Medikamentenentwicklung und Behandlungsstudien) sowie der Versorgungsforschung (internetbasierte Erfassung von Behandlungsergebnissen).
Noch im März 2012 wird ein Treffen wichtiger Arbeitsgruppen in Berlin stattfinden, um die informationstechnologischen Systeme zwischen den einzelnen ALS-Ambulanzen zu koordinieren. Damit wird erstmalig eine gemeinsame Datenauswertung von klinischen Daten in einem großen Maßstab möglich. In einem weiteren Treffen im Mai 2012 werden der offizielle Start des Verbundvorhabens und eine Konkretisierung der Zusammenarbeit einzelner Studienzentren stattfinden.
In eigener Sache
Neue Telefonnummer und „Call-Center“ an der Charité
Ab sofort ist die ALS-Ambulanz unter einer einheitlichen Telefonnummer erreichbar: 030-450-560028. Von dort aus werden die Anrufer in drei unterschiedliche Themenbereiche weitergeleitet: Terminvergabe („Drücken Sie die 1“); Rezepte und Verordnungen („Drücken Sie die 2“); Anfragen und Kontakte rund um klinische Studien („Drücken Sie die 3“). Die Strukturierung der Telefonkontakte ist sowohl für die Anrufer als auch das Ambulanzteam von Vorteil. Innerhalb des Ambulanzteams bestehen unterschiedliche Verantwortlichkeiten für die genannten Themen, so dass durch die gezielte Telefonatplatzierung die geeignete Ansprechpartnerin erreicht werden kann. Durch den parallelen Ablauf des „Ambulanzbetriebes“ können nicht alle Mitarbeiter sofort alle Telefonate bedienen. Für diesen Fall haben wir einen elektronischen Anrufbeantworter geschaltet, der Ihnen ermöglicht, Ihr Anliegen kurz zu beschreiben. Der Anrufbeantworter ist mit einem elektronischen Protokoll versehen, so dass Ihre Anrufzeit und Telefonnummer (sofern nicht unterdrückt) erfasst ist. Auf diese Weise können die verantwortlichen Mitarbeiterinnen ihre Anrufe systematisch aufarbeiten.
Wir bitten Sie um Unterstützung der neuen Organisationsform, in dem Sie auf Mehrfachanrufe verzichten und tatsächlich die vorgesehene Option des Anrufbeantworters mit Rückruf nutzen. Auf diese Weise kann eine effizientere Arbeit des Ambulanzteams vollbracht werden, die zu einer besseren Betreuungsqualität vor Ort und per Telefon beiträgt.
Vorankündigung ALS-Tag an der Charité am 05.05.2012
Am Samstag, dem 05.05.2012, ist ein erneuter „ALS-Tag“ an der Charité geplant. Die Veranstaltung wird halbtägig zwischen 09.30 Ur und 15.30 Uhr stattfinden. Die Veranstaltung findet zum dritten Mal statt, so dass positive Vorerfahrungen, aber auch Verbesserungsvorschläge in die Programmgestaltung einfließen. Die folgenden Themenblöcke werden besprochen: Aktueller Stand der Erkenntnisse zur Ursache und den Mechanismen der ALS einschließlich genetischer Faktoren; laufende und geplante Medikamentenstudien; Hilfsmittelversorgung; spezialisierte Physio- und Ergotherapie; Versorgungsnetzwerk über AmbulanzPartner; Beatmungstherapie; Ernährungskonzepte; Patientenverfügungen; Vorsorge und Palliativversorgung; „Workshop von Patienten für Patienten“ und weitere Themen.
Auf unseren Internetseiten wird ein Anmeldeformular eingerichtet. Bereits vorab können Sie Ihr Interesse an einer Teilnahme und an einzelnen Themenschwerpunkten per Email mitteilen: gabriele.frisch@charite.de.
Februar 2012
Dexpramipexol-Nachfolgestudie verschoben
Das amerikanische Arzneimittelunternehmen Biogen Idec führt aktuell eine Phase III-Therapiestudie mit dem Medikament Dexpramipexol durch (Studie EMPOWER). Die „Rekrutierung“ für diese Studie ist bereits abgeschlossen, so dass keine zusätzlichen Patienten in diese laufende Studie aufgenommen werden können. Aufgrund der vorliegendenDaten aus der Phase II-Studie mit einer guten Verträglichkeit und diskretenHinweisen auf eine mögliche Verzögerung der Krankheitsaktivität wurde eine frühzeitige Nachfolgestudie zur EMPOWER-Studie geplant. Die ursprünglichePlanung sah einen Beginn der Phase III-Nachfolgestudie ab Frühjahr 2012 vor. In einer aktuellen Information durch das Unternehmen Biogen Idec wird der Beginn einer Phase III-Studie verzögert. In einer neuen Strategie werden die Ergebnisse der EMPOWER-Studie ausgewertet, bevor die Nachfolgestudie begonnen wird. Hintergrund dieser Entscheidung ist die Option einer Überarbeitung des Studienprotokolls der Nachfolgestudie, in der die Erkenntnisse der EMPOWER-Studie bereits eingehen können. Mit dieser Entscheidung kann die ALS-Ambulanz der Charité sowie die anderen Studienzentren in Deutschland keine Studienteilnahme für die Dexpramipexol-Nachfolgestudie anbieten. Bei positiven Ergebnissen der laufenden EMPOWER-Studie ist ein Beginn der Nachfolgestudie erst ab Beginn 2013 realistisch.
NOGO-A–Antikörper-Studie in Vorbereitung
Das internationale Arzneimittelunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) mit Unternehmenssitz in Großbritannien beginnt eine Phase II-Studie mit dem Antikörper NOGO-A noch in diesem Jahr. Eine Phase I-Studie (erstmaliger Einsatz des Medikamentes beimMenschen) wurde im Jahr 2011 erfolgreich abgeschlossen (sh. Nachrichten 12/2011). Die Phase II-Studie dient ebenfalls der Untersuchung von Verträglichkeit und Machbarkeit sowie zur Ermittlung erster Hinweise auf eine Wirksamkeit. An der Studie werden weltweit über 200 Patienten teilnehmen. In Deutschland werden mehrere Studienzentren an dieser Studie teilnehmen. Das Medikament wird durch eine intravenöse Infusion in einem Abstand von 1 Monat im Studienzentrum verabreicht. Damit wird die Studiendurchführung komplexer als bei einer Tabletteneinnahme der Studienmedikation oder durch eine täglichesubkutane Injektion. Aufgrund der intravenösen Applikationsform und zahlreicher Begleituntersuchungen ist das Studienprotokoll umfangreicher als bei vorangegangenen Studien, so dass weniger Patienten pro Studienzentrum teilnehmen werden. Die Details des Studienprotokolls und die Ein- und Ausschlusskriterien sind noch vertraulich. Erst nach Abschluss der behördlichen Genehmigungen und einem positiven Votum durch die zuständigen Ethikkommissionen werden die Teilnahmevoraussetzungen bekanntgegeben. Die derzeitige Zeitplanung sieht einen Studienbeginn im August 2012 vor. Kontakt: thomas.meyer@charite.de
Januar 2012
Dr. Alexander Kruck ist neuer Facharzt an der ALS-Ambulanz
Seit dem 01.01.2012 ist Dr. Alexander Kruck als Facharzt für Neurologie an der Ambulanz für ALS und andere Motoneuronenerkrankungen (AAM) der Charité tätig. Wir freuen uns über die Verstärkung des Facharzt-Teams an der Charité, das sich auf die Versorgung von ALS-Patienten spezialisiert hat. Herr Dr. Kruck war zuvor in verschiedenen Kliniken der Maximalversorgung in Berlin mit Schwerpunkt der Akutneurologietätig. Er ergänzt mit seiner Expertise das Ambulanzteam der Charité und wird den fachlichen Schwerpunkt der Elektrophysiologie, der Ultraschall-Diagnostik von Muskulatur, der Botulinumtoxin-Therapie sowie der Spezialversorgung mit Mobilitäts-, Transfer- und Kommunikationshilfen weiter entwickeln. Dr. Kruck „ersetzt“ Teresa Holm, die als Assistenzärztin in den Jahren 2009 bis 2011 in unserer Ambulanz tätig war und jetzt andereAufgaben in der Neurologischen Klinik der Charité übernimmt. Herr Dr. Kruck wird als FA für Neurologie ausschließlich für die AAM und die Spezialambulanz für Versorgungsforschung an der Charité tätig sein.
ALS-Workshop der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) in Klagenfurt
Vom 13.-15.01.2012 fand in Klagenfurt eine erste Veranstaltung der österreichischen Akademie für Neuromuskuläre Erkrankungen zum Schwerpunkt der ALS statt. Der Workshop wurde am Klinikum Klagenfurt von Prof. Dr. Jörg Weber im Auftrag der ÖGN organisiert. Damit wurde erstmalig innerhalb der ÖGN-Struktur die ALS-Thematik auf einem nationalen Niveau mit Vertretern der Neuromuskulären Zentren in Wien, Linz, Innsbruck, Graz, Klagenfurt und weiteren Kliniken bearbeitet. Aus Deutschland waren Prof. Dr. A. Ludolph (Universität Ulm) sowie Prof. Dr. T. Meyer (Charité) eingeladen. Auf dem Workshop wurden über zwei Tage die aktuellen Erkenntnisse zur Ursache, Pathogenese und Therapie der ALS in einer konkreten Anwendung auf die Situation in Österreich diskutiert. Dabei wurden verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei der Durchführung von grundlagenwissenschaftlichen, genetischen und therapeutischen Studien vereinbart.