
Am 17. und 18. September 2026 fand an der Charité ein internationales Symposium zu ALS-Phänotypen statt („ALS Motor Phenotype Symposium”). An dieser Veranstaltung haben mehr als 30 führende ALS-Neurologen, Forscher und Industriepartner aus den USA, Großbritannien, China, Kanada, Spanien, Frankreich, Italien, der Schweiz, Österreich und Deutschland teilgenommen. Das Symposium wurde von Thomas Meyer initiiert moderiert.

Im Mittelpunkt stand die “OPM”-Klassifizierung der ALS-Phänotypen, bei der die ALS nach Region des Krankheitsbeginns (“Onset”), der Ausbreitung (“Propagation”) der Symptome und der Ausprägung der Symptome des ersten und/oder zweiten Motoneurons (“Motoneuronsymptome”) differenziert wird. Am Beginn des Symposiums wurde das aktuelle Wissen über ALS-Phänotypen zusammengefasst und die OPM-Klassifikation diskutiert. Anschließend wurde das Verbesserungspotential der OPM-Klassifikation besprochen. Eine wichtige Fragestellung war, wie diese ALS-Klassifikation bei der Prognosestellung, der ALS-Behandlung und der Durchführung klinischer Studien auch im internationalen Maßstab eingeführt werden kann.
Das Symposium war in sechs Sitzungen („Sessions“) mit insgesamt 28 Vorträgen und Diskussionsbeiträgen organisiert. Zu den wissenschaftlichen Beiträgen gehörten: Thomas Meyer zu multizentrischen ALS-OPM-Daten; Adriano Chiò (Turin) zum Abgleich der traditionellen Phänotypen mit der OPM-Klassifikation; Nicola Ticozzi (Mailand) zu Ausbreitungsmechanismen der ALS; Albert Ludolph (Ulm) zu Split-Phänomenen; Nilo Riva (Mailand) und Martin Turner (Oxford) zu ALS-Varianten des ersten und zweiten Motoneurons; Markus Weber (St. Gallen) über die Zuordnung von OPM zu klinischen Skalen; Ammar Al-Chalabi (London) über molekularen Definitionen der ALS; Paul Lingor (München) über OPM-Daten in München; Dongsheng Fan und Lu Chen (Peking, China) über OPM-Daten in China; Omar Keritam und André Maier über die Erfahrungen mit der OPM-Klassifikation an den ALS-Zentren in Wien bzw. Berlin; James D. Berry (Boston) über die Einbeziehung von OPM in klinische Studien; Philippe Corcia (Tours) über die Vorteile und Herausforderungen der OPM-Erfassung; Alex Sherman (Boston) über die PRO-ACT-Datenbank; sowie Julian Grosskreutz (Lübeck) über die Verbindung der OPM-Klassifikation mit dem D50-Prognosemodell.
Weiterhin wurden Panel-Diskussionen durchgeführt, in den die Perspektiven von Biotechunternehmen, Wissenschaftlern, Studienleitern und Patientenorganisationen ausgetauscht wurden. An Diskussionen nahmen Martin Turner (Oxford), Julian Grosskreutz (Lübeck), Björn Oskarsson (Jacksonville, USA), Keith Mayl (Lilly), Ammar Al-Chalabi (London), Mar Romera González (Ferrer), Chavero Pieres (Ferrer), René Ramseger (Biogen) und Catherine Cummings (Toronto) teil.
Insgesamt war das zweite Symposium zu ALS-Phänotypen in Berlin die erfolgreiche Fortsetzung eines notwendigen Prozesses, um eine internationale Harmonisierung der ALS-Klassifikation zu erreichen. Eine exakte Differenzierung der ALS-Phänotypen ist notwendig, um die individuelle Prognosebestimmung zu verbessern und die Entwicklung neuer Medikamente zu beschleunigen. Dabei ist davon auszugehen, dass Medikamente bei den verschiedenen Verlaufsformen der ALS eine unterschiedliche Wirksamkeit entfalten. Daher ist die Unterscheidung der ALS-Phänotypen bei der Durchführung zukünftiger klinischer Studien unabdingbar.
Autor: Prof. Dr. Thomas Meyer



















