




Vom 11. bis 13. August besuchte ich auf Einladung von Prof. Dongsheng Fan und seinem Team das ALS-Zentrum des Peking University Third Hospital in Peking. Der 13. August war einem wissenschaftlichen Workshop zu ALS-Phänotypen für die Optimierung von klinischen Studien gewidmet. Das Treffen war die erste persönliche Begegnung im Rahmen einer laufenden Zusammenarbeit zum ALS-OPM, die bereits im November 2025 durch virtuelle Meetings und den Austausch von Informationen gestartet wurde.
Während des Workshops stellte ich Daten zum ALS-OPM 3.1 vor, die bei Menschen mit ALS in Deutschland und Österreich erhoben wurden. Das Forschungsteam von Prof. Fan präsentierte seine retrospektive Analyse des weiterentwickelten Modells ALS-OPM 3.3 in einer großen chinesischen ALS-Population. Die Ergebnisse zeigten einerseits erhebliche Übereinstimmungen in den Daten, andererseits aber auch deutliche Unterschiede in der Häufigkeit und Clusterbildung der ALS-OPM-Phänotypen zwischen der europäischen und der chinesischen Population. Das Verständnis dieser Gemeinsamkeiten und Unterschiede ist für die Erforschung der Krankheitsmechanismen der ALS von Bedeutung. Zugleich kann es zur Harmonisierung und Standardisierung der ALS-Phänotypisierung in Europa und China beitragen.
Diese Forschungsarbeit gewinnt zunehmend an Bedeutung, da internationale Biotechnologieunternehmen ihre klinischen Studienaktivitäten in China ausweiten und chinesische Biotechnologieunternehmen eigene Entwicklungspipelines für potenzielle ALS-Therapien vorantreiben. Eine einheitliche und international anwendbare Phänotypisierung wird entscheidend sein, um Patientenpopulationen zu vergleichen, klinische Studien zu konzipieren und deren Ergebnisse zu interpretieren.
Langfristig besteht das Ziel darin, das ALS-OPM als gemeinsames „Betriebssystem“ für die Phänotypisierung der ALS zu etablieren. Es sollen gemeinsame klinische Standards entstehen, die für die erfolgreiche Durchführung von klinischen Studien von entscheidender Bedeutung sind.
Ich danke an dieser Stelle Prof. Dongsheng Fan und seinem gesamten Team für den herzlichen Empfang und erlebte Gastfreundschaft sowie den produktiven und inspirierenden Workshop. Mein Dank gilt außerdem Prof. Albert Ludolph, der bereits seit 30 Jahren mit der Universität Peking in Verbindung steht, jetzt den Kontakt zwischen Prof. Fan und mir hergestellt hat und die wissenschaftliche Diskussion mit seiner Erfahrung bereicherte.
Beide ALS-Zentren beabsichtigen, ihre Zusammenarbeit zu vertiefen und das ALS-OPM-Modell für die internationale klinische ALS-Forschung weiterzuentwickeln.
Autor: Thomas Meyer

